Into the Woods – Annäherungen an das Ökosystem Wald

Im Rahmen der Klima Biennale Wien zeigt das Kunst Haus Wien eine umfangreiche Gruppenausstellung zu einem der wichtigsten Ökosysteme der Welt – dem Wald. Sechzehn zeitgenössische künstlerische Positionen widmen sich dem Lebensraum Wald, seinen Prozessen, Bedrohungen, aber auch dem Wissen, das wir vom Wald ableiten können.

Die Wälder weltweit sind mehr denn je Mahnmal für das Ungleichgewicht unseres Planeten: Wälder filtern Wasser und Luft, liefern Ressourcen und Nahrung, sind Lebensraum für einen Großteil der an Land lebenden Arten, fördern die menschliche Gesundheit und stabilisieren als wichtige Kohlenstoffspeicher das Klima unserer Erde. Ihre Abholzung und profitorientierte Ausbeutung treiben die ökologische Krise voran, gleichzeitig befeuert die Klimaerwärmung den Waldverlust.

„Susanne Kriemann behandelt die Abholzung von Primärwäldern, in diesem Fall die Karpaten-Urwälder, in Verbindung mit ‚Fast Furniture‘ Produktion. Die Künstlerin hatte sich mit einem Fotoarchiv beschäftigt, das die industrielle Produktion in Rumänien darstellt. Diese Wälder werden von großen Möbelherstellern illegal für ihre Produktion abgeholzt. Dies ist leider eng verbunden mit unserem Konsum an ‚Fast Furniture‘, weil wir immer weniger nachhaltig produzierte Qualitätsmöbel aus Holz kaufen.“ (Stephan Kuss, Kunst Haus Wien)

Anhand künstlerischer Projekte zu unterschiedlichsten Waldregionen der Erde – vom Amazonas Regenwald über den Embobut Wald in Kenia und die Urwälder der Karpaten bis hin zu Föhrenwäldern in der Schweiz sowie heimischen Waldgebieten – spricht die Ausstellung drängende Fragen rund um das sensible Ökosystem an. Die gezeigten Arbeiten befassen sich einerseits mit dem menschlichen Einfluss auf den Zustand der Wälder und deren Zerstörung, andererseits mit den kollektiven und symbiotischen Aktivitäten des Waldökosystems. 

„Der Amazonas Wald ist einer jener Wälder weltweit, welche am meisten durch illegale Rodung gefährdet sind. Durch spezielle Kameraaufnahmen aus der Luft zeigt Richard Mosse Fotografien dieser Abholzungen. Hauptsächlich wird der Amazonas für Weide- respektive Anbauflächen für Soja abgeholzt. Dadurch ist nicht nur eine große Biodiversität (inklusive Pflanzen und Tieren) bedroht, sondern auch indogenes Leben. Viele Völker leben im Amazonas und sind durch die massive Abholzung bedroht. Zudem entstehen durch die Klimaerwärmung immer mehr Waldbrände, viele sind allerdings gelegte Brände, um dieses Gebiet für den Anbau nutzen zu können.“ (Stephan Kuss, Kunst Haus Wien)

Rücksichtslose Entwaldung, die Auswirkungen von Wald-Monokulturen, das Spannungsverhältnis zwischen wirtschaftlicher Waldnutzung und nachhaltigem Waldschutz, die Finanzierung der Klimakrise und die Gefährdung der Wälder durch die Klimaerwärmung werden in der Ausstellung ebenso thematisiert wie die ökologischen Prozesse und komplexen Wechselwirkungen, die dem Ökosystem Wald zugrunde liegen.

„Es gibt die These, dass der Wald nicht nur eine Ansammlung von Bäumen ist, sondern ein wirklich sehr komplexes System, das miteinander agiert. Es wird auch öfters als das ‚Wood Wide Web‘ bezeichnet, da die Wurzeln der Bäume in der Erde netzförmig verbunden sind, voneinander leben und sich gegenseitig Kraft spenden. Eine zentrale Aussage der Ausstellung ist, dass es nur kollektiv vorangeht: der Mensch zusammen mit der Natur. Diese symbiotischen Prozesse sieht man im Werk von Alma Heikkilä besonders stark.“ (Stephan Kuss, Kunst Haus Wien)

Dabei beleuchten die Künstler der Ausstellung die zentrale Rolle der Wälder unserer Erde für die Gesundheit und Stabilität unseres Planeten. Die recherchebasierten, inspirierenden, poetischen und oftmals in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern erarbeiteten Werke machen die komplexe Thematik greifbar und ermöglichen neue Perspektiven auf ein Ökosystem, das uns vermeintlich so vertraut ist.

„Der Hintergrund des Künstlerpaares Anca Benera und Arnold Estefán zu ihrer Idee war die Tatsache, dass die gestohlene Saliera in einem Wald wiedergefunden wurde. Daraus entstanden ist ein Replika der Saliera aus Salz, welche als Leckstein in den Wald zurückgeführt wurde. Mit Unterstützung der österreichischen Bundesforste beobachtete man mit Kameras auf etwa 3.000 Meter Höhe das Verhalten der Tiere rund um diesen Kultur-Leckstein.“ (Stephan Kuss, Kunst Haus Wien)

Diese absolut interessante wie informative Ausstellung ist noch bis zum 11.8.2024 im Kunst Haus Hundertwasser in Wien zu sehen. Weitere informationen unter https://www.kunsthauswien.com/de/ausstellungen/into-the-woods/

Copyrights Fotos © Rudolf Strobl, Birgit Pototschnig